Sie stehen vor der Entscheidung für eine private Krankenversicherung für Beamte, Beamtenanwärter oder Referendare?

In meiner 18-jährigen Tätigkeit in diesem Bereich höre ich jeden Tag zahlreiche Argumente, von denen manche leider nur dem Zweck dienen, Ihnen eine bestimmte PKV zu verkaufen.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen heute einige dieser Argumente aufzeigen und Ihnen erläutern, welchen Wahrheitsgehalt diese haben, um Ihnen dadurch bei Ihrer Entscheidungsfindung zu helfen.

Der Berater sagt zu Ihnen:

„Sie sollten unbedingt eine große Gesellschaft mit vielen Mitgliedern wählen. Stellen Sie sich vor, Sie entscheiden sich vor eine kleine Krankenversicherung und dort werden plötzlich 10 Kunden Bluter und verursachen immense Kosten. Dies ist für eine kleine Versicherung nicht zu finanzieren und die Beiträge werden immens steigen.“

Dieses Argument wird vor allem von Vertretern der großen privaten Krankenversicherungsgesellschaften vorgebracht und natürlich werden auf diese Weise „Ängste“ vor einem Abschluss bei einer Gesellschaft mit weniger Mitgliedern geschürt.

Zunächst stellt sich die Frage, nach dem generellen Sinn des Argumentes. Was passiert, wenn bei einem mitgliederstärkeren Versicherer plötzlich ein hoher prozentualer Anteil der Versicherten stark erkrankt? Der Versicherer hat grundsätzlich in diesem Fall die identischen Sorgen.

Somit gehe ich davon aus, dass die Aussage auf eine größere finanzielle Sicherheit eines größeren Krankenversicherungsunternehmens abzielt. Es soll eventuell suggeriert werden, dass ein größeres Unternehmen mit solchen Fällen besser umgehen könnte, da es finanzstärker ist.

An dieser Stelle steht die Frage, ob eine solche Aussage pauschale richtig ist. Ist ein großes Unternehmen immer finanzstärker als ein kleineres?

Bevor ich auf diese Frage im Detail eingehe, sei zunächst darauf hingewiesen, dass die Versicherungsunternehmen zur Verminderung des Risikos rückversichert sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein größeres oder kleineres Unternehmen handelt. Durch die Rückversicherung federn die Versicherer die finanziellen Folgen von Großschadenereignissen ab. Von daher ist sowohl der größere als auch der kleinere Versicherer vor Ereignissen, die zu außergewöhnlichen Kosten führen, geschützt.

Zurück zur grundsätzlichen Frage, die ich nochmals anders formulieren möchte: Ist ein großer privater Krankenversicherer mit durchschnittlichen betriebswirtschaftlichen Eckdaten wirklich besser als ein kleinerer Versicherer, der betriebswirtschaftlich hervorragend aufgestellt ist?

Oftmals wird das Argument noch weiter gestrickt in die Richtung, dass bei einem großen Unternehmen die Stabilität der Beiträge durch die hohe Sicherheit besser ist.

Vielleicht bemerken Sie, wie absurd dieses Argument ist, wenn es derart pauschal in den Raum gestellt wird. Sind die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens durchschnittlich oder unterdurchschnittlich ist es aus meiner Sicht vollkommen egal, ob es sich um einen großen oder kleinen Krankenversicherer handelt.

Dies gilt nicht nur für Krankenversicherungsunternehmen. Denken Sie an Thomas Cook, einen der ältesten und größten Reiseanbieter der Welt aus Großbritannien. Das Unternehmen ging 2019 (vor Corona) pleite. Aufgrund der staatlichen Überwachung der privaten Krankenversicherungsgesellschaften ist eine solche Insolvenzsorge unbegründet, dennoch zeigt das Beispiel, dass die Unternehmensgröße keinesfalls mit höherer Sicherheit gleichzusetzen ist.

Daraus können Sie ableiten, dass die betriebswirtschaftliche Lage einer Krankenversicherungsgesellschaft wichtiger ist als die Anzahl der Mitglieder. Ich möchte noch einen Schritt weitergehen: Neben dem Bedingungswerk und einer dauerhaft guten Beratung und Betreuung Ihres PKV-Vertrages durch einen Experten im Bereich der privaten Krankenversicherung für Beamte, stellen die betriebswirtschaftlichen Daten einen weiteren Eckpfeiler bei der Wahl einer privaten Krankenversicherung da. Diese Zahlen müssen gemäß den gesetzlichen Vorgaben veröffentlicht werden, sodass diese einsehbar sind.

Es kommt aus meiner Sicht nicht darauf an, dass eine Gesellschaft unbedingt in allen Bereichen die besten Wirtschaftlichkeitsdaten hat, sondern die Gesamtheit der Kennziffern sollten im Marktvergleich positiv dastehen.

Sollte ein Berater Ihnen gegenüber die Behauptung aufstellen, dass die Größe einer Gesellschaft Ihnen stabilere Beiträge in der Zukunft bringt, sollten Sie diese pauschale Aussage mit großer Vorsicht genießen, da diese nicht zutrifft.

„Die Gesellschaft, die ich Ihnen anbiete, wird in Zukunft beitragsstabiler sein als andere sein.“

Auch diese Argumentation wird mir immer wieder zugetragen. Leider gilt es auch hier festzuhalten: Es bedürfte hellseherischer Fähigkeiten, um mit Sicherheit vorhersagen zu können, welche Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten stabiler ist als andere.

Um zu verstehen, weshalb für niemanden die zukünftigen Beitragsentwicklungen vorhersagbar sind, müssen wir uns näher anschauen, wie Beitragssteigerungen zustanden kommen.

Diese sind in Deutschland in Bezug auf die privaten Krankenversicherungen gesetzlich geregelt. Dabei darf eine Beitragsanpassung nur die angefallenen Mehrkosten decken und niemals zur Erhöhung des Gewinns dienen.

Zu welchen Mehrkosten es, vornehmlich im medizinischen Bereich, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten kommt, ist allerdings nicht abschätzbar. Genau aus diesem Grunde kann auch niemand die Beitragsentwicklung in der privaten Krankenversicherung für Beamte vorhersagen, egal von welcher Versicherungsgesellschaft die Rede ist.

Ich möchte Ihnen die Details noch etwas konkreter erläutern:

Alle PKV-Gesellschaften müssen zu Beginn eines Jahres für Ihre Tarife kalkulieren, mit welchen Mehrkosten in den kommenden 12 Monaten zu rechnen ist.

Einige wesentliche Punkte, die es für die Versicherer bei dieser Kalkulation zu berücksichtigen gilt sind beispielsweise:

Medizinische Mehrkosten

Medikamente werden teurer, ärztliche Honorare steigen, bestimmte Hilfsmittel und Behandlungsmethoden kosten immer mehr Geld, bestimmte Erkrankungen lassen sich durch den medizinischen Fortschritt glücklicherweise immer besser behandeln. Gerade bei den privaten Krankenversicherungen können Sie in der Regel alle neusten Methoden (die wissenschaftlich in Deutschland anerkannt sind) nutzen. Dadurch entstehen natürlich auch Mehrkosten, die gedeckt werden müssen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung

Die Menschen werden erwiesenermaßen immer älter. Sicherlich ein positiver Effekt für uns alle, länger zu leben. Durch die steigende Lebenserwartung erhöhen sich allerdings auch wieder die medizinischen Kosten, da eine längere Versorgung oftmals nötig ist.

Hinzu kommen weitere Faktoren, wie z. B. das Zinsniveau.

Die Kalkulation der Gesellschaften stellt die Grundlage dar und dient unabhängigen Treuhändern zur Prüfung. Diese gleichen die im Jahresverlauf die real entstanden Kosten mit der vorherigen Kalkulation des Versicherers ab. Gemäß den gesetzlichen Grundlagen darf die Abweichung bei max. 10 Prozent liegen. Bei einer höheren Abweichung muss der private Krankenversicherer die Beiträge anpassen, um die Kalkulationslücke zu schließen.

Fortsetzung folgt

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