Neuer Test der privaten Krankenversicherungen für Beamte von Stiftung Warentest (Finanztest) aus dem November 2019

In der aktuellen Novemberausgabe stellt Finanztest die privaten Krankenversicherungen für Beamte auf den Prüfstand. Wie sind die Testergebnisse einzuschätzen? Macht es für Sie Sinn die Entscheidung für eine PKV auf dieser Grundlage zu treffen?

Zunächst möchte ich klarstellen, dass aus meiner Sicht jede seriöse Quelle bei der Entscheidung für eine Beamten PKV helfen kann. Dazu zählt ohne Frage auch Stiftung Warentest. Auf der anderen Seite gilt es natürlich auch jeden Ratschlag kritisch zu hinterfragen und auf Schwächen zu prüfen.

Ich arbeite inzwischen seit 18 Jahren als unabhängiger Versicherungsmakler speziell für Beamte zum Thema private Krankenversicherung. Durch diese tägliche Praxiserfahrung kenne ich alle Tarifbedingungen am Markt, die wirtschaftliche Stärke der Gesellschaften und vor allem die individuellen Ansprüche von Beamten und Beamtenanwärter an die privaten Krankenversicherungen.  Auf der Grundlage dieser Erfahrungswerte möchte ich auf die aktuellen Testresultate von Finanztest eingehen und diese bewerten.

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Zunächst gilt es zu erwähnen, dass die aktuellen Testergebnisse der privaten Krankenversicherungen für Beamte (Finanztest November 2019) für einen 35-jähriger Bundesbeamter mit einem Beihilfeanspruch von 50 Prozent gelten. Auf diesen Kunden bezieht sich der Test. Damit handelt es sich selbstverständlich nicht um ein individuelles Testergebnis (was auch gar nicht möglich ist). Ich möchte anmerken, dass jede Situation beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung sich anders darstellt. Gerade aufgrund der Tarifkalkulationen können die Beiträge je Versicherung bei einem Einstieg mit beispielsweise 28 Jahren völlig anders aussehen und sich damit auch das komplette Ranking verändern. Zudem müssen Sie für sich mögliche Risikozuschläge durch „Vorerkrankungen“ einbeziehen, die ebenfalls zu starken Beitragsveränderungen führen können. Aus diesem Grund ist immer ein individueller Krankenversicherungsvergleich empfehlenswert, der sich exakt auf Ihre Situation bezieht.

Zudem werden lediglich die Grundbausteine, Wahlleistungen und Zahntarife der Gesellschaften getestet. D.h., es gibt keinen Gesamtkontext der Leistungsstärke der Tarife mit allen Bausteinen. Zu einer PKV für Beamte gehört deutlich mehr, als nur diese Grundabsicherung. Aus meiner 18-jährigen Expertise lässt sich ein Tarif deshalb nur im Gesamtbild bewerten:

– gibt es Besonderheiten beim Tarif zu beachten (z.B., dass der Tarif gar nicht in allen Bundesländern angeboten wird)?
– welche Lücken der Beihilfe werden über den Beihilfeergänzungstarif abgedeckt?
– sind Kurleistungen durch einen extra Tarifbaustein zu versichern oder sind diese bereits im Grundtarif enthalten (wenn ja, in welcher Höhe)?

Der letzte Punkt „Kuren“ zeigt für mich beispielsweise sehr gut auf, weshalb die Bewertungen von Finantest mit Vorsicht zu genießen sind. In einigen Grundtarifen ist bereits ein geringes Kurtagegeld enthalten. Andere Versicherer bieten gegen einen kleinen Mehrbeitrag im Monat einen Kurbaustein an, durch den Sie diesen Bereich ausreichend absichern können. Die Vorgabe für die Leistungsbewertung von Finanztest im Bereich Kuren lautet „ob der Versicherer auch für stationäre Kuren leistet“. Daraus folgere ich: Bietet der Tarif eine minimale oder unzureichende Kurabsicherung für eine stationäre Kur von beispielsweise 50 Euro am Tag im Grundtarif, wird dies positiv bewertet, selbst wenn keine weitere Kurabsicherung durch einen Zusatzbaustein möglich ist, um die Absicherungshöhe auf ein vernünftiges Niveau zu bringen. Wird ein Kurtarif als Zusatzbaustein angeboten, der es ermöglicht für beispielsweise 5 Euro im Monat Mehrbeitrag Kuren bis zu 150 Euro am Tag abzusichern, so wird dies folglich (meiner Interpretation nach), negativ ausgelegt, da im Grundtarif keine Kurleistung enthalten ist. Zwar bewertet Finanztest nach einem Punktesystem die einzelnen Leistungen, dennoch ist dies für mich aufgrund der oben genannten Fakten sehr unübersichtlich und unvollständig und mögliche Zusatztarife bleiben komplett außen vor.

Aufgrund der Leistungskürzen der Material- und Laborkosten bei Zahnersatz der Beihilfen spielen auch der Beihilfeergänzungstarifes eines große Rolle. Ansonsten bleiben Sie beim teuren Thema Zahnersatz immer auf Kosten hängen. Gerade hier unterscheiden sich auch die Leistungen der Beihilfeergänzungstarife der Krankenversicherungstarife. Was nützt Ihnen als Kunde eine gute Grundabdeckung, wenn Sie allerdings an dieser Stelle auf Kosten sitzen bleiben.

Dies sind nur zwei Beispiel, welche aufzeigen, wie wichtig es meiner Meinung nach ist alle Tarifbausteine im Gesamtpakte zu bewerten, um ein greifbares Urteil fällen zu können. Erst dann ist für mich auch eine Preis- Leistungsbewertung sinnvoll.

Neben den Leistungsinhalten des Tarifes gilt es natürlich auch noch einen Blick auf die Krankenversicherungsgesellschaft selbst zu werfen und deren betriebswirtschaftlichen Stärke des Unternehmens. Für mich ist auch dies ein wesentlicher Faktor bei der Gesamtbewertung einer PKV. Ausschließlich auf den Grundtarif zu schauen und auf dieser Basis eine Einstufung nach Noten vorzunehmen, ist meiner Ansicht nach völlig unzureichend und bietet nicht ausreichend Grundlage für die Entscheidung pro oder contra eine private Krankenversicherung.

Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Testsieger des aktuellen Tests von Stiftung Warentest ist die Concordia. Ich möchte vorab erwähnen, dass ich den Tarif der Concordia (unter Berücksichtigung der zusätzlichen Bausteine) für inhaltlich sehr gut halte. In diesem Punkt stimme ich Stiftung Warentest zu. Allerdings gibt es dennoch einige bedeutende Punkte, die es bei der Entscheidung für die Concordia zu beachten gilt (die allerdings beim Test nicht erwähnt werden).

Die Concordia bietet in den Bundesländern Hessen und Bremen keinen Tarif an. Sollten Sie in einem der beiden Bundesländer Beamter werden, ist ein Abschluss der Concordia nicht möglich. Wechseln Sie während Ihrer Beamtenlaufbahn aus einem anderen Bundesland nach Hessen oder Bremen entsteht für Sie ein großes Problem.

Beim Blick auf die Leistungen der HUK-Coburg, verwundert mich die Einstufung von Finanztest sehr. Der Tarif landet auf dem dritten Platz. Interessant ist dabei beispielsweise die Bewertung des Hilfsmittelkataloges. Zwar handelt es sich um einen offenen Hilfsmittelkatalog, allerdings sind in Bezug auf einige wichtige Hilfsmittel Summenbegrenzungen zu beachten.

In den Bedingungswerken aller Beihilfetarife in der privaten Krankenversicherung handelt es sich immer um Rechnungsbeträge. Die HUK zahlt für Prothesen einen Rechnungsbetrag von maximal 15.000 Euro. Bei einem Beihilfesatz von 50 Prozent erhalten Sie für eine Prothese somit einen Kostenübernahme von der HUK von max. 7.500 Euro (bei 70 Prozent Beihilfe dementsprechend 30 Prozent von 15.000 Euro also max. 4.500 Euro Kostenübernahme). Prothesen können durchaus mehrere 10.000 Euro kosten. In diesem Fall kann es bei der HUK zu deutlichen Zuzahlungen für den versicherten kommen. Begrenzungen bestehen zudem beispielsweise für Krankenfahrstühle (Übernahme bis zu einem Rechnungsbetrag von max. 2.500 Euro), Sitzschalen (bis zu einem Rechnungsbetrag von 5.000 Euro), Hörgeräte (bis zu einem Rechnungsbetrag von 1.500 Euro), etc.

In diesen Fällen gilt es immer zu prüfen, ob die Leistungen aus der privaten Krankenversicherung erfolgen (dann gelten die o.g. Leistungsbegrenzungen) oder über die Pflegepflichtversicherung. Im Falle einer Prothese beispielsweise muss kein Pflegegrad vorliegen, sodass die Begrenzungen aus der privaten Krankenversicherung der HUK gelten.

Interessant ist in diesen Zusammenhang der Blick auf die Vorgaben von Finanztest für die Bewertung. Im Hilfsmittelbereich setzt Stiftung Warentest voraus, dass mehr als 75 Prozent Erstattung erfolgt. Dies ist allerdings generell bei fast einen Beamtentarifen der Fall. Leistungsbegrenzungen bei bestimmten Hilfsmitteln fließen in die Bewertung nicht mit ein, obwohl dies für mich ein wesentlicher Fakt ist.

Bedenklich ist auch der Punkt der stationären Psychotherapien. Hier sind im Grundtarif (den Finanztest bewertet) lediglich 30 Tage versichert oder sie wählen ab dem ersten Tag eine Kooperationsklinik der HUK. Stationäre Psychotherapien können sehr hohe Kosten verursachen. Die Absicherung von nur 30 Tage ist sehr gering und auch die Alternative eine Klinik der HUK irgendwo in Deutschland vorgeschrieben zu bekommen, ist im Falle einer psychischen Erkrankung (ggf. fernab der Heimat untergebracht zu werden) nicht optimal. Zahlreiche private Krankenversicherungen für Beamte bieten in diesem Bereich schon im Grundtarif gar keine Begrenzungen. Gemäß den Vorgaben von Finanztest zur Bewertung eines Tarifes werden diese allerdings lediglich mit mehr als 30 Tagen als ausreichende Absicherung angesetzt. Fragen Sie bei einem Psychotherapeuten nach, ob dieser diese Einschätzung teilt. Eine unbegrenzte Absicherung ohne Bindung an bestimmte Kliniken halte ich persönlich in diesem Leistungsbereich für angebracht.

Von den privaten Krankenversicherungstarifen für Beamte mit einer Gesamtnote „sehr gut“ oder „gut“ erhält einzig der Tarif der Alten Oldenburger die Einstufung „A“ in Bezug auf das Leistungsniveau. Dafür ist der Tarif im monatlichen Beitrag höher beispielsweise als der Tarif der Concordia.

Ich habe Ihnen nur einige Beispiele aufgezeigt, weshalb ein Testergebnis nur helfen kann bei der Wahl einer privaten Krankenversicherung für Beamte. Aufgrund eines solchen Tests empfehle ich allerdings niemals die Entscheidung für eine bestimmte PKV zu treffen.

Dies ist nur möglich durch einen individuellen Krankenversicherungsvergleich. In einem solchen Vergleich werden auch mögliche Mehrbeiträge durch „Vorerkrankungen“ berücksichtigt. Sie erhalten eine ausführliche Gegenüberstellung der Monatsbeiträge und Leistungen. Auf diese Weise können Sie für sich erkennen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Krankenversicherungsangebote Ihnen bieten. Aufgrund dieser Fakten wird es für Sie deutlich einfacher sein in Ruhe eine Entscheidung zu treffen.

Fortsetzung folgt

 

 

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