Steigende Zahlen: Verdruss bei Schulkindern in Deutschland ist eklatant

Die Schule ist eine wichtige Institution für den Grundstein von Bildung und den Start in ein erfolgreiches Leben. Umso beunruhigender sind die Zahlen einer aktuellen Studie der britischen York Universität und der schweizerischen Jacobs Stiftung. Demnach sind deutsche Schulkinder im internationalen Vergleich die Spitzenreiter, was die Unlust auf den Schulbesuch angeht. Experten sind alarmiert und suchen nach Gründen und Lösungen, um diese negative Entwicklung abzufangen.

 

Repräsentative Studien über Schulkinder und deren Empfinden

 

An der jüngsten Studie nahmen insgesamt 56.000 Schulkinder aus 16 Ländern und verschiedenen Kontinenten teil. Die Altersklassen der befragten Sprösslinge lagen bei acht, zehn und zwölf Jahren. Zu den teilnehmenden Ländern gehörten – neben Deutschland – Algerien, Äthiopien, Estland, Großbritannien, Israel, Kolumbien, Malta, Nepal, Norwegen, Polen, Rumänien, Südafrika, Südkorea, Spanien und die Türkei.

Die dortigen Schulkinder wurden zu deren Einschätzung bezüglich ihres Wohlbefindens im schulischen Alltag und zu Freundschaften, Familie und Kinderrechten befragt.

 

Ergebnisse der Befragungen deutscher Schulkinder

 

Das bestürzende Ergebnis der umfangreichen Studie ergab, dass beängstigend viele Schulkinder in Deutschland ungern zur Schule gehen. Nur magere 36 Prozent gaben an, den Schulbesuch zu mögen und liegen somit auf dem letzten Platz im Ranking zu dieser Fragestellung.

Den Gegenpart, nämlich den ersten Platz der kindlichen Schulliebhaber, belegt Algerien (86 Prozent), gefolgt von Äthiopien (78 Prozent).

Weiterhin sind die Zahlen zur Erfahrung von Gewalt und Mobbing auf deutschen Schulgeländen beachtlich. Insbesondere die achtjährigen Schülerinnen und Schüler sind hiervon betroffen, obwohl diese Altersgruppe – im Vergleich zu den älteren Kindern – häufiger gerne zur Schule geht. Fast jedes zweite Schulkind im Alter von acht Jahren hat innerhalb der Studie von Gewalterfahrungen im schulischen Umfeld berichtet. Deutschland liegt auch hier, zusammen mit Estland und Großbritannien, an der traurigen Spitze der Auswertungen.

 

Ursachenforschung zum schulischen Verdruss

 

Trotz aller schrillenden Alarmglocken warnen Forscher und Psychologen davor, die Befragungsergebnisse zu verallgemeinern. Es gibt durchaus viele Schulknirpse, die lernwillig sind und mit großer Freude die Schule besuchen.

Vorrangig ist vielmehr das soziale Umfeld und das herrschende Klima, was bei vielen Schulkindern erst die Unlust auslöst, wie zum Beispiel der Berliner Schulpsychologe Klaus Seifried ausführt. Mobbing durch Klassenkameraden oder andere Mitschüler wird hier von den Kindern besonders oft genannt.

Außerdem sieht er Gründe in dem gesteigerten Leistungsdruck unserer Gesellschaft, der sich kontraproduktiv auf das Lernverhalten und die Schullust der Kinder auswirkt. Sie haben das Gefühl nicht mithalten zu können oder nicht gut genug zu sein. In der Folge flüchten sich viele Schulkinder in Krankheiten, nur um dem leidigen Schulbesuch aus dem Weg zu gehen.

Dieser fachlichen Einschätzung steht eine andere Auswertung entgegen. Die Frage nach der schulischen Belastung ergab, dass die Schülerinnen und Schüler in Südkorea die Liste anführen. Dort gehen aber immerhin 46 Prozent gerne zur Schule, also 10 Prozent mehr als in Deutschland.

 

Probleme sehen ergibt Stärkung der Schullust

 

Die Frankfurter Professorin Sabine Andresen war eine der Leiterinnen der durchgeführten Studie. Sie sieht darin eine gute Möglichkeit tiefe Einblicke in das Kinderleben zu erhalten, um daraus wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung zu gewinnen. Die Goethe Universität in Frankfurt zitierte die Fachfrau wie folgt: „Kinder nehmen die Welt um sich herum genau wahr und wir können sehen, wer sich in welchen Bereichen beeinträchtigt fühlt.“

Dieser Satz fasst zusammen, was viele Schulkindexperten und Mobbing-Trainer schon länger empfehlen: Mögliche Probleme des Kindes zu erkennen, es aus der Opferrolle herauszuholen und sein Selbstbewusstsein zu stärken.

Da lohnt sich auch ein Blick in Studien über Schulkinder, um die Sensibilität von Eltern und Lehrern zu steigern und die individuellen Ursachen für die schulische Unlust hilfreich zu ergründen.

Steigende Zahlen: Verdruss bei Schulkindern in Deutschland ist eklatant
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