Psychologen helfen traumatisierten Polizisten

Weil Polizisten sich auch in Deutschland jede Woche mit den Abgründen der menschlichen Seele auseinandersetzen müssen, ist eine gute psychologische Betreuung für die Beamten unverzichtbar. Neben den Gewalt- und Sexualverbrechen sowie weiteren abscheulichen Straftaten der Kriminellen führt außerdem der notwendige Gebrauch der eigenen Dienstwaffe bei vielen Polizeibeamten zu traumatischen Erfahrungen. Obwohl diese Erlebnisse im Rahmen der Ausbildung thematisiert werden, ist es unmöglich, Polizisten auf den Ernstfall wirklich vorzubereiten. Darum steht den Beamten in zahlreichen deutschen Dienststellen mittlerweile rund um die Uhr ein Polizeipsychologe zur Verfügung.

Verhinderung einer nachhaltigen Traumatisierung durch Polizeipsychologen

Während ein normaler Bürger im Durchschnitt während seines gesamten Lebens drei traumatische Ereignisse verarbeiten muss, erleben Polzisten vergleichbare Geschehnisse laut offiziellen Statistiken in jeder Woche drei Mal. Durch die ständige Konfrontation mit dem Tod, Gewaltverbrechen und schrecklichen Unfällen bauen die Beamten meistens automatisch eine innere Schutzmauer auf, um mit den alltäglichen Situationen besser zurechtzukommen.

Aber auch Polizisten stoßen im Verlauf ihrer Karriere häufig an ihre Grenzen und werden von Bildern, die irgendwann die Konzentration der Staatsdiener gefährden, verfolgt. Damit die Beamten weiterhin die Ruhe bewahren und ihre Pflicht erfüllen, ist es wichtig, rechtzeitig auf psychologische Hilfe zurückzugreifen. Wer im Polizeiberuf frühzeitig Hilfe in Anspruch nimmt, lässt die Gefahr einer nachhaltigen Traumatisierung im Keim ersticken.

Steigende Akzeptanz der psychologischen Betreuung im Polizeidienst

Vor allem Männern fällt es auf einer Polizeiwache oft schwer, einen Psychologen aufzusuchen. Polizisten befürchten häufig, unter den Kollegen zum Außenseiter zu werden, wenn sie nach einer traumatischen Erfahrung professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. In den vergangenen Jahren ist jedoch die allgemeine Akzeptanz der Beamten für die Betreuung durch einen Polizeipsychologen gestiegen und es gilt in der Regel nicht mehr als Schwäche, sich nach einem schrecklichen Erlebnis helfen zu lassen.

Für Polizisten in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt steht nun zum Beispiel 24 Stunden am Tag ein Psychologe mit einer therapeutischen Ausbildung zur Verfügung. Sobald es den Beamten bei der Aufklärung abstoßender Verbrechen nicht mehr gelingt, einen klaren Kopf zu bewahren, ist somit die umgehende Betreuung bei einem fachlich qualifizierten Experten jederzeit möglich. In besonders schlimmen Fällen besuchen die Polizeipsychologen auch den Tatort oder die privaten Wohnungen der Staatsdiener.

Gebrauch der Schusswaffe verpflichtet zum Gespräch beim Psychologen

Wer als Polizist seine Dienstwaffe benutzt hat, ist unabhängig von allen anderen Umständen dazu verpflichtet, einen Psychologen aufzusuchen. Diese Dienstvorschrift hat in Deutschland sogar dann Bestand, wenn bei einem Schusswechsel niemand verletzt wurde. Schüsse auf Autoreifen oder Warnschüsse sind daher manchmal der Inhalt von relativ belanglosen Gesprächen mit einer Fachkraft.

In den meisten Fällen müssen Beamte im Polizeidienst nach der Verwendung ihrer Waffe jedoch zumindest eine kleine traumatische Erfahrung verarbeiten. Auch ohne tödliche Folgen machen sich Polizisten wegen der Verletzung eines Verdächtigen nicht selten grundlos Vorwürfe, obwohl die Vorschriften ordnungsgemäß befolgt wurden. Ständige Zweifel und die Beschäftigung mit der Frage, ob das frühere Eingreifen richtig war, führen schlimmstenfalls zu einer Katastrophe.

Im Rahmen von Untersuchungen wegen eines Schusswaffengebrauchs werden Beamte mit falschen Anschuldigungen von Zivilisten häufig zusätzlich belastet. Ein Polizeipsychologe hilft den Polizisten in derartigen Fällen dabei, ihr korrektes Verhalten zu erkennen, um im Ernstfall nicht durch ein zögerndes Verhalten sich selbst oder andere zu gefährden.

Kontakt mit Opfern erschwert die professionelle Distanz der Polizisten

Insofern Ermittler ständig in Kontakt mit den Opfern oder den Angehörigen treten, fällt die professionelle Distanzierung den Beamten laut Experten besonders schwer. Die emotionalen Ausbrüche der Verwandten von Mordopfern beeinträchtigen die Staatsdiener zum Beispiel oft mehr als der Anblick von Leichen und erhöhen die Anfälligkeit für ein Trauma. Ein Polizeipsychologe unterstützt die Polizisten dabei, eine Schutzmauer aufrechtzuerhalten und durch die Empathie gegenüber den Betroffenen nicht ihre Dienstfähigkeit zu gefährden.