Linke fordert Streichung von Unterrichtsstunden für Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern

Weil Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern wöchentlich sehr lange arbeiten müssen und dafür ein verhältnismäßig geringes Gehalt erhalten, setzt sich die Linke im Landtag mit ihrer stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Simone Oldenburg für eine Verringerung der Unterrichtsstunden pro Lehrkraft ein, um die verbesserungswürdige Attraktivität des Lehrerberufs im Nordosten von Deutschland zu steigern.

Mit einem stetig sinkenden Interesse an Stellen für Lehramtsanwärter und stressbedingten Krankheiten zeigen sich die Folgen der Überforderung von Lehrbeamten, die langfristig sogar einen geregelten Ablauf des Schulunterrichts im Bundesland gefährden. Aus diesen Gründen sieht die Linke als stärkste Oppositionsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern dringenden Handlungsbedarf.

Keine lohnenswerten Perspektiven für Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern

Für Referendare ist die Perspektive, als Beamter im Lehrdienst des Landes bei einer unterdurchschnittlichen Entlohnung das deutschlandweit höchste Arbeitspensum auf sich zu nehmen, kaum motivierend. Darum verlassen viele Lehramtsanwärter Mecklenburg-Vorpommern vor ihrer endgültigen Verbeamtung und entscheiden sich für eine Tätigkeit in einem Bundesland mit besseren Voraussetzungen für Lehrer.

Zuletzt blieben laut den Angaben der Landesregierung zum Jahresanfang 2016 bei 363 Ausschreibungen des Landes 154 Referendarstellen wegen der sehr geringen Anzahl der vorhandenen Interessenten unbesetzt, womit langfristig der ordnungsgemäße Unterricht an den Schulen ernsthaft gefährdet ist. Deshalb erkennt neben der Opposition auch die rot-schwarze Regierung in Mecklenburg-Vorpommern die Notwendigkeit, neue Lösungen zu finden, um den Nachwuchs für den Lehrerberuf im Land zu gewinnen. Nur über die genaue Vorgehensweise bei der Steigerung der Attraktivität des Schuldienstes für Beamte in Nordostdeutschland streiten sich die Landtagsfraktionen noch.

Linke strebt die Verkürzung der Unterrichtsstunden stufenweise an

Eine bessere Besoldung der Beamten im Lehrdienst würde das hohe Arbeitspensum für Pädagogen in Mecklenburg-Vorpommern zumindest aus wirtschaftlicher Sicht lohnenswerter machen. Diese Änderung lässt sich jedoch kaum finanzieren und verhindert zudem nicht die gesundheitsgefährdende Überlastung der Lehrer. Dementsprechend setzt sich Simone Oldenburg als bildungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag nun für eine Senkung der wöchentlichen Unterrichtsstunden für Lehrkräfte, die schrittweise erfolgen würde, ein.

Lehrer an Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern erreichen derzeit beispielsweise mit 27 Stunden pro Woche in Deutschland einen Spitzenwert. Berufsschullehrer sind sogar noch mehr benachteiligt, weil sie laut der Einschätzung der Linken im bundesweiten Vergleich mit den Arbeitsstunden an der Spitze und mit dem Gehalt zugleich auf dem letzten Platz liegen. Im ersten Schritt will die Oppositionspartei in Mecklenburg-Vorpommern darum an den Berufsschulen eine volle Stunde und an den Grundschulen eine halbe Stunde des wöchentlichen Unterrichts für jeden Lehrer streichen. Anschließend ist für Lehrkräfte an Gymnasien sowie Gesamt- und Regionalschulen der Wegfall einer Unterrichtsstunde vorgesehen.