Beamte zieht es nach Berlin

Die deutsche Landeshauptstadt wird mehr und mehr zum Ziel von Staatsbediensteten aus allen Teilen des Landes. Von 2011 bis 2014 kamen dabei allein drei Viertel aller Zuzügler aus Baden-Württemberg.
Die Wanderungsbewegung in Zahlen

Scheinbar wirkt die Landeshauptstadt von Jahr zu Jahr attraktiver auf Beamte des Bundes, der Länder und der Kommunen. Im untersuchten Zeitraum von 2011 bis 2014 ließen sich exakt 1222 Beamte aus anderen Regionen nach Berlin versetzen. Bei genauerem Betrachten fällt auf, dass das Land Baden-Württemberg allein 905 der Wechselwilligen stellte, was einen eklatanten Vorsprung vor dem Verfolgerfeld bedeutete. Weit abgeschlagen folgen schließlich die Länder Niedersachsen und Brandenburg mit lediglich 153 beziehungsweise 137 Zuzüglern. Knapp dahinter folgten noch die Hansestadt Hamburg und das einwohnerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 133 und 127 Zuwanderern. Die Anziehungskraft Berlins wird durch die Zahl der Abgewanderten im gleichen Zeitraum verdeutlicht. Diese Zahl beläuft sich auf 574 Berliner Beamte, die die Stadt verließen. Versetzungsziel Nummer eins war dabei das Nachbarland Brandenburg mit einer Zahl von 94, gefolgt von Niedersachsen, das 60 Beamte aufnahm.
Attraktive Landeshauptstadt

Diese Versetzungszahlen deuten nun darauf hin, dass der öffentliche Dienst in der Landeshauptstadt offensichtlich seine Reize aussendet, die sich allem Anschein nach insbesondere im Südwesten Deutschlands bei den Landes- und Bundesbediensteten herumgesprochen haben. Wie die Finanzverwaltung des Senats nun mitteilte, seien es in besonderem Maße die Lehrkräfte, die den Landesherren wechselten und sich nach Berlin versetzen ließen. Eine weitere zahlenmäßig große Gruppe stellten die vormaligen Bundeswehrsoldaten, die es vom Bundesdienst in den des Landes Berlin zog. Diese nackten Zahlen deuten nun tatsächlich darauf hin, dass der öffentliche Dienst in Berlin und die Stadt Berlin an sich, zahlreichen jungen, gut ausgebildeten und überaus flexiblen Staatsdienern dasjenige zu bieten vermag, was sie in anderen Bundesländern vergeblich suchten.
Nicht alles Gold was glänzt

Der Schein trügt aber trotz der für Berlin sehr erbaulichen Zahlen ein wenig. Zum einen steht die Feststellung im Raum, dass die Zuzüge daraufhin deuteten, dass ein gewisser Prozentsatz der Beamtenstellen in den Verwaltungen, was den Arbeitsort und die Arbeitszeit betrifft, durchaus noch flexibler gestaltet werden könnte. Ein weiterer Kritikpunkt stellt die gegenwärtige Besoldungshöhe im Land Berlin dar, die zwar durch den Berliner Senat langfristig bis 2032 an den Bundesdurchschnitt angeglichen werden soll, die derzeit aber noch in weit unterdurchschnittlichen Sphären dahin dümpelt. Zur Disposition stehe auch eine Angleichung bereits bis zum Jahr 2022. Im Vergleich zum Freistaat Bayern etwa, liegt die Besoldung der Beamten in Berlin bei 18,5 Prozentpunkten niedriger. Selbst das benachbarte Brandenburg lässt ihren Bediensteten um 4 Prozent bessere Entlohnungen zukommen. Betroffen sind davon etwas über die Hälfte aller innerhalb Berlins beschäftigten Beamten, was in etwa einer Zahl von knapp über 62.400 gleichkommt. Es bleibt also noch viel zu tun. Der Versetzungswelle, vor allem aus dem gut situierten Schwabenland, tun diese in Kauf genommenen finanziellen Einbußen offensichtlich bisher aber keinen Abbruch.