Zusätzliche Lehrkräfte für Flüchtlingskinder gefordert

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat eine Rechnung aufgestellt, nach der etwa 8000 neue Lehrkräfte pro 100000 Flüchtlingskinder benötigt werden. Um die Bildungsintegration nicht auf den Rücken der Lehrer abzuwälzen, müssten angesichts der veränderten Bildungssituation zusätzliche Lehrer fortgebildet werden. Insbesondere die Bundesländer dürfte das vor enorme Herausforderungen stellen, da sie nun vermehrte Neueinstellungen vornehmen müsste.

Am vergangenen Dienstag sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe in Berlin: „Unsere Formel lautet: Für 100000 neue Schüler werden 8250 neue Lehrer gebraucht“. Allein für das Jahr 2015 gehen Experten davon aus, dass mehr als 300000 Flüchtlingskinder in die Schulen kamen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) der 16 Bundesländer müsse jetzt handeln und beschließen, in welchen Ländern und in welchem Umfang Lehrerausbildungsplätze geschaffen werden sollen. Es stellen sich die Fragen: Wie viele Lehrkräfte werden in Deutschland benötigt, wie viele Ausbildungsplätze an Universitäten, und wie viele Stellen müssen im Vorbereitungsdienst eingerichtet werden? Darüber hinaus forderte Tepe, sich während der Lehrerfortbildungen für einen zielgerichteten Umgang mit Migrantenkindern starkzumachen.

Die KMK schließt sich weitgehend den Forderungen der GEW an und sieht einen Bedarf von bis zu 25000 zusätzlichen Lehrkräften in den deutschen Bundesländern. Bremens Bildungssenatorin und neue KMK-Präsidentin Claudia Bogedan (SPD) meinte, dass alle 16 Länder Sprachförderung in den Mittelpunkt von Bildungsbemühungen und Schule setzen müssten. Dies dürfe nicht nur in Form von Vorkursen oder Willkommensklassen geschehen, in denen gezielte Sprachförderungsprogramme angeboten werden, sondern müsse auch eine kontinuierliche Aufgabe für die Zukunft sein. Bestreben der Bundesländer sollte es sein, neue Einstiegsmöglichkeiten in das Lehramt zu schaffen und Seiteneinsteigern, die sich anfangs nicht für eine Lehramtsausbildung entschieden, eine berufliche Perspektive zu bieten.

Anlässlich des Bildungsfinanzberichts des Statistischen Bundesamtes hatte die GEW bereits Mitte Dezember deutlich mehr Geld gefordert. GEW-Bildungsfinanzierungsexperte Ansgar Klinger kritisierte, dass die auf dem Dresdener Bildungsgipfel 2008 vereinbarten Finanzzusagen noch nicht eingehalten wurden. Die Ministerpräsidenten der Länder sowie Bundeskanzlerin Merkel (CDU) verständigten sich darauf, ab 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Bildung zu investieren. Davon waren sieben Prozent für den Bildungssektor und drei Prozent für den Bereich Forschung veranschlagt worden. Von diesem Ziel seien Bund und Länder noch meilenweit entfernt. Mit einem Anteil von sechs Prozent am Bruttoinlandsprodukt liege Deutschland im internationalen Vergleich unter dem angestrebten Wert. Ein Prozent des BIP macht rund 30 Milliarden Euro aus.