Zu hoher Zulauf an Gymnasien? – 47 Prozent der Grundschüler in Sachsen tun es

Schon seit Generationen wird Schulkindern von allen Seiten gepredigt, ja ordentlich zu lernen, um im besten Fall ein Gymnasium besuchen zu können. Immerhin steht jungen Erwachsenen mit Hochschulreife der Weg eines Studiums offen, wie viele Eltern und Lehrer nicht zu unrecht argumentieren. Nun schallt ein Aufschrei durch das Bundesland Sachsen, weil dort fast jeder zweite Grundschüler auf das Gymnasium wechselt. Einige Experten fragen schon ketzerisch, ob Gymnasien als neue Gesamtschule fungieren sollen.

Sächsische Gymnasialzahlen sorgen für Verwirrung

Im kommenden Herbst ist es wieder so weit. Dann verlässt eine weitere Generation von Schulkindern die Grundschule und wechselt auf weiterführende Schulen.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen des Kultusministeriums in Dresden belegen, dass von 28.000 sächsischen Viertklässlern 13.000 eine Empfehlung für das Gymnasium erhalten haben. Das entspricht einer Quote von knapp 47 Prozent. Für die Oberschule, die in Sachsen aus einem Hauptschul- und einem Realschulzweig besteht, wurden 14.500 Grundschüler vorgesehen (rund 53 Prozent).

„Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort“,

kommentierte Kultusministerin Brunhild Kurth bei der Veröffentlichung erfreut die Entwicklung. Nach der Sekundarstufe I (5. bis 6. Klasse) wird dann stets, mittels Elterngespräche und der Beurteilung der Schülerleistung, über den weiteren schulischen Werdegang entschieden.

Dass die gute Gymnasiumquote in Sachsen keine Eintagsfliege ist, zeigen die Zahlen des Schuljahres 2014/2015. In diesem Zeitraum war das prozentuale Verhältnis zwischen Oberschule und Gymnasium erstmals sogar identisch.

Angesichts der hohen Zahlen scheinen Kritiker nun einen Abschwung der Qualität an Gymnasien zu befürchten, wie es auch schon mehrfach bei dem Thema Inklusion aufflammte.

Auf eine fachgerechte Beurteilung der Leistungsqualität wird aber allem Anschein nach im sächsischen Schulsystem geachtet. Denn von 15.800 Sechstklässlern der Oberschulen durften rund 1.600 Mädchen und Jungs aufsatteln und ebenfalls auf ein Gymnasium wechseln.

„In Sachsen führen viele Wege zum Erfolg. Wichtig ist, dass der Schüler beim Lernen gut vorankommt und Erfolgserlebnisse hat“,

konstatierte die Kultusministerin.

Und wie sieht es zahlenmäßig im gesamten Deutschland aus?

Verteilung der Schüler in der Sekundarstufe I

Deutschlandweit besuchten im Schuljahr 2014/2015 rund 4,2 Millionen Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe I. Davon entfiel der Löwenanteil – mit rund 1,44 Millionen – auf den Besuch eines Gymnasiums (34,2 Prozent). An Realschulen wurden 22,7 Prozent und an Gesamtschulen lediglich 15,8 Prozent der Sekundarschüler unterrichtet. Alle anderen Schulformen lagen vom prozentualen Anteil her noch darunter.

Im Zeitverlauf stieg die Gesamtanzahl der Gymnasialschüler um einen knappen Prozentpunkt, trotz der Einführung von G8 (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Auch wenn der Trend insgesamt nach oben zeigt, liegt Sachsen im Vergleich zu den bundesweiten Zahlen auf einem hohen Level, was den Besuch von Gymnasien angeht.

Doch, was ist mit der Anzahl geeigneter Bildungseinrichtungen, sprich Gymnasien?

Anzahl der Gymnasiasten steigt – die der Gymnasien nicht

 Im Schuljahr 2014/2015 gab es bundesweit 33.600 Schulen, davon sind rund 9 Prozent Gymnasien (3125). Die Zahlen sind in den letzten 10 Jahren nahezu konstant geblieben. In Anbetracht der nicht nur in Sachsen steigenden Gymnasialschüler kann daraus durchaus eine wachsende Belastung der bestehenden Gymnasien angenommen werden. Der allgemein beklagte Lehrermangel tut sicherlich sein Übriges dazu.

Laut dem Statistischen Bundesamt werden durchschnittlich 740 Schüler pro Gymnasium unterrichtet. Je Klasse der Sekundarstufe I sind es im Schnitt 26 Schüler, die den dortigen Unterricht besuchen. Die recht großen Klassen erschweren ein individuelles Unterrichten und schmälern unter Umständen das Leistungslevel der Schüler.

Die steigende Anzahl der Gymnasiasten sollte als erfreuliches Zeichen gewertet werden – überlastete Bildungseinrichtungen hingegen nicht. Das zeigt sich an einem aktuellen Beispiel in einem Stadtteil Münchens, was aber keinen Einzelfall darstellt.

Dort drohen Abweisungen im dreistelligen Bereich für kommende Fünftklässler, weil die Kapazität des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums nicht ausreicht, wie der Schulleiter Luitpold Klotz moniert. Zudem würden notwendige Sanierungen seit Jahren hinten angestellt werden.

Bedeutet das schwindende Schulqualitäten und versperrte Möglichkeiten für Schulkinder, die eigentlich einen erfolgreichen Bildungsweg gehen möchten? – Da ist dringender Handlungsbedarf angesagt!

Zurückkommend zu den sächsischen Gymnasien gibt es auch gute Nachrichten, was die Leistungen von Abiturienten angeht. Im deutschlandweiten Ranking der Einser-Abiturienten (Notendurchschnitt 1,0 bis 1,9) von 2013 schnitt Sachsen mit Platz 3 (26,8 Prozent) ab und lag nur knapp hinter den Bayern (27,3 Prozent). Thüringen lag mit 37,8 Prozent an der Spitze.

Zu hoher Zulauf an Gymnasien? – 47 Prozent der Grundschüler in Sachsen tun es
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