Philologenverband wirft Ländern die Fälschung von Unterrichtsstatistiken vor

In Deutschland kommt ein Kind oft mehrmals in einer Woche früher zu Hause an, weil in der Schule eine Unterrichtsstunde ausfiel. Sowohl die Bildungsverbände als auch die Mehrzahl der Eltern sind wegen dieser hohen Ausfallzeiten verärgert. Aus der Sicht des deutschen Philologenverbands werden die Ausfallstatistiken in den Bundesländern bewusst manipuliert. Darum fordert der Verband die Verantwortlichen nun dazu auf, ehrlichere Zahlen zu ermitteln.

Realitätsfremde Statistiken als Streitthema in Schleswig-Holstein und Niedersachsen

Vor allem Nachholstunden und Vertretungsstunden werden an Schulen oft nicht offiziell als ausgefallene Unterrichtsstunden gewertet. Aus diesem Grund ruft der Philologenverband die Länder dazu auf, nicht nur die vollständig und ersatzlos entfallenden Schulstunden in den Ausfallstatistiken zu berücksichtigen. Zahlreiche Schulen erwecken jedoch den Eindruck, kein echtes Interesse an der Erstellung zuverlässiger Statistiken zu haben.

Der Streit über realitätsfremde Ausfallstatistiken hat insbesondere in Niedersachsen und Schleswig-Holstein seinen Höhepunkt erreicht. Elternvertreter zeigen sich in diesen beiden Bundesländern äußerst besorgt. Laut einer Schätzung des nordrhein-westfälischen Bildungsministeriums fallen mehr als sechs Prozent der Unterrichtsstunden im Land aus. Gemäß der offiziellen Angabe liegt dieser Wert jedoch lediglich bei 1,7 Prozent.

Keine Berücksichtigung von Aufsichtsstunden

Wenn es wegen der plötzlichen Erkrankung eines Lehrers zum Ausfall von Unterricht kommt, benachrichtigt der dienstunfähige Beamte in der Regel morgens die Schule. Im Anschluss wird üblicherweise eine Vertretung, die möglichst in demselben Fach unterrichtet und über die erforderlichen Kompetenzen verfügt, gesucht. Insofern ein Lehrer, der diese Kriterien erfüllt, für die jeweilige Schulstunde zur Verfügung steht, streben die Schulen eine reguläre Fortführung des Schulunterrichts an. Dieser Fall tritt aber nur selten ein.

Stattdessen müssen ständig Lehrer, die normalerweise nicht im ausfallenden Schulfach unterrichten, als Vertretung fungieren. Dementsprechend agieren diese Beamten dann ausschließlich als Aufsicht und führen keinen tatsächlichen Unterricht durch. Diese sogenannten Aufsichtsstunden gelten an zahlreichen Schulen offiziell als Vertretungsstunden und werden somit nicht als Ausfallstunden gewertet. Daher weicht die Statistik entscheidend von der Realität ab.

Vertretungs-Apps machen Eltern auf Schieflage aufmerksam

Weil die meisten Jugendlichen ihre Eltern eher selten über den Ausfall des Schulunterrichts informieren, kam es in der Vergangenheit kaum zu Diskussionen über die entsprechenden Statistiken. Durch sogenannte Vertretungs-Apps haben Väter und Mütter nun jedoch die Möglichkeit, sich ein genaueres Bild von den Ausfallstunden zu machen. Über diese Apps besteht die Möglichkeit, sich alle Vertretungs- und Ausfallstunden an bestimmten Schulen anzeigen zu lassen.

Von den offiziellen Durchschnittswerten weichen die Zahlen, die mit Vertretungs-Apps ermittelt wurden, häufig bei Weitem ab. Darum zweifeln immer mehr Eltern daran, dass die öffentlichen Statistiken der Realität gerecht werden. Aus der Sicht eines Schulrektors aus Nordrhein-Westfalen müsste jeder Lehrer rund drei Stunden zusätzlich arbeiten, damit die angegebenen Ausfallzeiten tatsächlich stimmen würden.

Philologenverband fordert einheitliche Regelung im Sinne der Schüler

Unter den falschen Statistiken leiden vor allem die Schüler. Denn der Unterricht, der den Jugendlichen durch Aufsichtsstunden und den ersatzlosen Ausfall von Stunden entgeht, ist in vielen Fällen unverzichtbar. Jedes deutsche Bundesland darf momentan selbst festlegen, wann fehlende Schulstunden wirklich in der Ausfallstatistik berücksichtigt werden. Aus diesem Grund setzt sich der Philologenverband nun dafür ein, dass es deutschlandweit zur Einführung einheitlicher Standards kommt.

Philologenverband wirft Ländern die Fälschung von Unterrichtsstatistiken vor
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