GESETZLICHE KRANKENVERSICHERUNG: Dieses Jahr lohnt sich der Wechsel

Seit Jahren ist es üblich beziehungsweise Gewohnheit geworden, dass die Versicherer ihre Beiträge anpassen. Diese Anpassung ist gleichbedeutend mit einer Beitragserhöhung. Das gilt für die Kfz-Versicherung ebenso wie für die Unfall- oder die Hausratversicherung, und auch für die Kranken- sowie für die Pflegeversicherung. Während in den vergangenen drei, vier Jahren eher die privaten Krankenversicherungen durch Beitragserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich von sich Reden machten, ist es dieses Mal, also zum Jahreswechsel 2015/2016, die gesetzliche Krankenversicherung, kurz GKV genannt. Eine Ursache dafür, dass die neuerliche Erhöhung der GKV-Beiträge ausschließlich, also allein von den Versicherten zu tragen ist, liegt in der Entscheidung der Bundesregierung. Danach wurde vor zwei Jahren der GKV-Beitrag auf 14,6 Prozent festgeschrieben, wie es heißt eingefroren. Diesen Prozentsatz teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu je ½. Doch dabei bleibt es nicht. Jeder einzelnen gesetzlichen Krankenkasse steht es frei, bedarfsgerecht einen eigenen Zusatzbeitrag zu erheben. Den muss der Arbeitnehmer allein bezahlen, also ohne eine Beteiligung des Arbeitgebers. Die Mehrheit der GKVs hat sich diese vom Gesetzgeber eröffnete Möglichkeit bisher nicht entgehen lassen und von Beginn an einen individuellen Zusatzbeitrag erhoben. So geschieht es auch für das Jahr 2016, allerdings in einer bundesweit durchschnittlichen Höhe, die manchen Versicherten zum Rechnen, zum Vergleichen und auch zum Wechsel seiner Krankenkasse veranlassen sollte. Denn die Erhöhung der Zusatzbeiträge fällt so unterschiedlich aus, dass im Einzelfall durchaus ein dreistelliger Eurobetrag je Kalenderjahr eingespart werden kann. Das wirkt sich finanziell direkt und auf dem Girokonto aus, weil bei einem Versicherungswechsel mit niedrigerem Krankenversicherungsbeitrag mehr Netto vom Brutto übrigbleibt.

Gesetzliche Krankenkasse wechseln – Einfach und problemlos möglich
Der Gesetzgeber betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, einen gesunden Wettbewerb innerhalb der GKV, sprich unter den gesetzlichen Krankenkassen zu fördern und zu unterstützen. So wie bei allen anderen Versicherungen auch soll der Versicherungsnehmer die Möglichkeit haben, sich auf dem bundesweiten GKV-Markt frei entscheiden zu können. Anlass für einen Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse ist einerseits die Höhe des jeweiligen Zusatzbeitrages sowie andererseits die Art und Güte von möglichen Zusatzleistungen. Alle GKVs haben den gesetzlichen Auftrag zur Grundversorgung ihrer Versicherten. Sie ist bei allen von ihnen dieselbe und beträgt mehr als 90 Prozent des gesamten medizinischen Leistungsumfanges. Der verbleibende Prozentsatz im einstelligen Bereich wird individuell gestaltet und gilt als „Werbeargument“ für die jeweilige GKV. Bei der einen sind es zusätzliche Leistungen für alternative Heilmethoden; bei der anderen sind es Lockerungen bei den ansonsten generellen Einschränkungen zur Arzt- und Krankenhauswahl, wie bei Vorsorgeuntersuchungen, bei professionellen Zahnreinigungen oder wie beim Einholen von ärztlichen Zweit-/Drittmeinungen. Der GKV-Versicherte muss zu diesen Vor- und Nachteilen viel Lesen und Vergleichen, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Ein GKV-Wechsel ist in zwei Fällen möglich:
• ordentliche Kündigung nach einer 18-monatigen Mitgliedschaft
• außerordentliche/Sonderkündigung bei einer Beitragserhöhung

In beiden Fällen beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate. Jede Beitragsanpassung ist im weitesten Sinne eine Änderung des bestehenden Versicherungsvertrages. Sie ist nur einvernehmlich möglich, das heißt mit Zustimmung des GKV-Versicherten. Der kann, er muss aber nicht zustimmen. Tut er das nicht, kommt keine Einigung über den neuen Versicherungsvertrag mit der dazugehörigen Beitragsanpassung zustande. Das Sonderkündigungsrecht gilt auch dann, wenn die bisherige Mitgliedschaft in der betreffenden GKV noch keine 18 Monate besteht. Mit der Beitragserhöhung „bricht die gesetzliche Krankenkasse den bestehenden Vertrag“, was den Versicherungsnehmer dazu berechtigt, sofort mit einer Frist von zwei Monaten zu kündigen. Aufgrund des Kontrahierungs-, des Annahmezwanges innerhalb der GKV braucht er sich keine Sorgen um eine Anschlussversicherung zu machen. In Deutschland besteht seit Ende der 2000er Jahre eine Krankenversicherungspflicht. Jeder Bürger muss sich krankenversichern, und umgekehrt kann keine GKV einen Aufnahmeantrag ablehnen; vielmehr muss sie ihn ohne Gesundheitsprüfung annehmen. Damit verbunden ist automatisch auch die Pflegeversicherung, die der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse als eigener Versicherungsträger zugeordnet ist.

Zusatzbeiträge bleiben ein dauerhaftes Politikum
Die Arbeitnehmer müssen sich darauf einstellen, dass alle gesetzlichen Krankenkassen in regelmäßigen Abständen von ein, spätestens zwei Jahren ihren Zusatzbeitrag um einige Zehntel Prozentpunkte erhöhen. So ist es absehbar, dass daraus schon in wenigen Jahren ein, zwei oder auch drei Prozent werden, die ausschließlich von den Arbeitnehmern zu bezahlen sind. Dadurch wird das Netto am Brutto deutlich geschmälert. Obwohl die amtierende Bundesregierung den Arbeitgeberanteil auf 7,3% „eingefroren“ hat, möchte beispielsweise die Arbeitsministerin gerne wieder zur früheren Parität, also zur hälftigen Teilung des Beitrages zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zurückkehren. Unterstützt wird sie in dieser Haltung durch die Gewerkschaften. Doch der Weg dahin ist weit. Die jetzige Legislaturperiode der Bundesregierung endet im Herbst 2017. Bis dahin wäre ein „Auftauen“ des eingefrorenen Anteils der Arbeitgeber illusorisch. Wie die nächste Bundesregierung aussieht, weiß niemand. Und ebenso ungewiss ist es, ob die derzeitige auch die zukünftige Arbeitsministerin sein wird. Der GKV-Versicherte muss sich also darauf einstellen, dass die momentane Situation, den Zusatzbeitrag allein finanzieren zu müssen, noch für drei, vier oder auch mehr Jahre unverändert bestehen bleibt. Bis zu Beginn des nächsten Jahrzehnts werden aus den jährlichen Zehntelpunkten mit Sicherheit einige volle Prozentpunkte. Das ist ein Grund mehr, um sich mit seinem GKV-Beitrag und einem Wechsel von einer zur anderen gesetzlichen Krankenkasse dauerhaft zu beschäftigen. Der GKV-Versicherte sollte das auch vor dem Hintergrund einer nahezu historisch niedrigen Inflationsrate tun. Er hat es buchstäblich selbst in der Hand, bei steigenden Löhnen sowie bei stagnierenden oder gar sinkenden Ausgaben seine finanzielle Situation spürbar zu verbessern. So lässt sich im Laufe eines Jahres unterm Strich durchaus ein Urlaub für die Familie finanzieren, ohne dafür extra sparen zu müssen. Das Geschick liegt darin, unter vielen guten die beste, die günstigste gesetzliche Krankenkasse auszuwählen. Bei insgesamt etwa zehn Dutzend GKVs ist das nicht so einfach und dennoch garantiert.

Aus dem Unterschied von 0,8 Prozent wird schnell 1 Prozent und mehr
Für das Jahr 2016 beträgt die Differenz zwischen der günstigsten bundesweiten GKV, der Handelskrankenkasse HKK mit einem Gesamtbeitrag von 15,19 Prozent und der DAK mit 16,10 Prozent 0,91 Prozent. Daraus wird bei der nächsten Erhöhung 1 Prozent, und das mit einer dann steigenden Tendenz. 0,91 Prozent von der Summe der Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung in Höhe von monatlich 4,237,50 EUR ergibt 38,56 EUR monatlich, mithin 462,72 EUR pro Jahr, abgerundet eine Beitragsdifferenz von 460 EUR. Auch die namhaften, bundesweit vertretenen gesetzlichen Krankenkassen wie die

• KKH Kaufmännische Krankenkasse Halle mit 15,80 Prozent
• Barmer GEK mit 15,70 Prozent
• TK Techniker Krankenkasse mit 15,60 Prozent
• HEK Hanseatische Krankenkasse mit 15,60 Prozent

liegen allesamt ein Prozent und mehr über dem „eingefrorenen“ Beitragssatz von 14,60 Prozent, der noch paritätisch halbiert wird.

Die in der GKV freiwillig und Pflichtversicherten haben, im Gegensatz zu den Angehörigen einer privaten Krankenversicherung, die Möglichkeit, durch einen Versicherungswechsel ihren Beitrag bei gleichbleibender medizinischer Basisversorgung zu reduzieren. In der PKV geht das so nicht. Hier ist eine Beitragsreduzierung auch deswegen immer auch mit einer Minderung der medizinischen Versorgung verbunden, weil sich der Versicherte seinen Versicherungsschutz sozusagen tariflich erkauft. Für viel Geld bekommt er eine erstklassige Versicherung, die bei einem kostengünstigeren Tarif auch dementsprechend an Qualität verliert.

Diese Chance sollte sich der GKV-Versicherte nicht entgehen lassen. Wenn er den mit einem Versicherungswechsel eingesparten Beitrag nicht sparen, sondern in seine Gesundheitsvorsorge investieren möchte, dann bietet sich eine tarifbezogene private Zusatzversicherung an. In diesem Bereich, beispielsweise für Zahnersatz, ist er dann erstklassig versichert, ohne im Ergebnis dafür mehr zu zahlen. Denn hier wie da, also sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung, muss er den Zusatzbeitrag beziehungsweise die Zusatzversicherung ohnehin komplett selbst bezahlen.

Das Fazit lautet
Bei jeder GKV-Beitragserhöhung rechnen, vergleichen und wechseln! Unter mehreren Dutzend gesetzlichen Krankenkassen ist garantiert eine günstigere zu finden. Entweder wird ein jährlich dreistelliger Eurobetrag eingespart, oder er wird in eine Verbesserung der Gesundheit investiert. Beides ist im Interesse und zum Vorteil des GKV-Versicherten sowie seiner Familienangehörigen.

GESETZLICHE KRANKENVERSICHERUNG: Dieses Jahr lohnt sich der Wechsel
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