Diskussionsstoff: Schule will mit 100 Euro Prämie Drogenverräter anwerben

Dass Drogenhandel und Drogenkonsum auf Schulhöfen oder Schultoiletten keine Seltenheit sind, ist allgemein bekannt. Nun trat der Schulleiter eines Würzburger Gymnasiums eine heiße Diskussion los, weil er 100 Euro Belohnung auf sachdienliche Hinweise über Konsumenten und Dealer aussetzte. An seiner Schule hat sich diese umstrittene Erziehungsmaßnahme nicht mit der gewünschten Durchschlagskraft bewährt, wie die anschließende Auswertung des Schulleiters ergab. Und doch bleibt das Thema Drogen an Schulen brisant.

 

Anti-Drogen Exempel eines Schulleiters

Als besorgte Eltern dem Leiter des Siebold Gymnasiums Mitte Februar Hinweise gaben, an seiner Schule werde Cannabis konsumiert und verkauft, sah sich dieser gezwungen, etwas zu unternehmen. Im Verdacht standen Schüler der Mittelstufe – im Alter von 14 bis 15 Jahren. „Ich musste handeln“, äußerte Schuldirektor Hermann Rapps gegenüber der regionalen Presse.

Er fasste den Entschluss, eine 100 Euro Prämie an diejenigen zu zahlen, die ihm Hinweise auf Drogenkonsumenten und Drogendealer an seiner Schule lieferten.

Tipps kamen daraufhin einige bei ihm an, die jedoch alle im Sande verliefen. In den folgenden Befragungen der Beschuldigten hatte sich der jeweilige Verdacht nicht bestätigen können. Wäre ein Drogendealer dingfest gemacht worden, hätte dieser als Konsequenz die Schule verlassen müssen und eine Anzeige erhalten, wie die Schulleitung ausdrücklich mitteilte.

Lediglich in einem Fall hatte Direktor Rapps die 100 Euro Prämie aus eigener Tasche ausgezahlt.

Nun ist ein Sturm der Entrüstung über die Methode des Schulleiters losgebrochen, zu der die Polizei bisher weitestgehend schweigt. Allerdings kommen die Einwände nicht von den Eltern der Siebold-Schüler, wie der Vorsitzende des Elternbeirats, Christian Richter, sagte: „Man kann das Kopfgeld zwar auch kritisch sehen, aber bislang haben sich keine Eltern deswegen bei uns gemeldet.“ Er hält die ausgesetzte Prämie sogar für eine gute Abschreckung, um Schulkinder vor dem Drogenangebot von Dealern zu schützen.

 

Kampf gegen Drogen erst bei hohen Zahlen?

Es ist ein schmaler Grat.

Die Vorgehensweise des Würzburger Schulleiters mag aus pädagogischer Sicht durchaus fragwürdig sein, denn er stiftet seine Schützlinge zum erkauften Verrat an. Dies kann entweder zu falschen Verdächtigungen oder aber zu Folgen für den mitteilenden Schüler führen. Mobbing oder Ausgrenzungen aus der Klassengemeinschaft möchte keiner riskieren und zeigt sich deswegen lieber solidarisch. Daher lassen sich viele aus Angst nicht auf einen Deal mit der Schule ein, selbst wenn sie sich und andere damit vor Drogengefahren schützen könnten, wie der Schulleiter selbst sagte – und es als „Mauer des Schweigens“ titulierte.

Die Polizei sieht bei den Würzburger Schulen keinen drängenden Handlungsbedarf im Kampf gegen Drogen. Als Begründung wird die Statistik zitiert, die besagt, dass es von 2010 bis 2014 nur maximal sieben Rauschgiftdelikte gegeben hätte. Selbst Anzeigen seitens der Lehrer und Schulleitungen wären nur vereinzelt vorgekommen.

Allerdings weist die Bilanz der Rauschgiftdelikte in der gesamten Stadt, an denen Schüler und Studenten beteiligt waren, eine steigende Kurve an: Im Jahr 2010 waren es 137, in 2015 jedoch schon 232 Fälle. Dies entspricht einer Steigerung von rund 70 Prozent!

Zwar erhielt Schulleiter Rapps das Angebot von Möglichkeiten der Prävention, wie Polizeisprecherin Kathrin Thamm mitteilte, aber „ohne besonderen Anlass gebe es keine Kontrollen auf dem Schulgelände“. Doch die Polizei wolle eng mit den Schulen zusammenarbeiten und etwaigen Anhaltspunkten nachgehen.

 

Hilfe oder Drogenprobleme an Schulen legal machen?

Der Fall des Würzburger Siebold Gymnasiums ist zwar mit seinem ausgesetzten Kopfgeld einzigartig, aber das Drogenproblem an Schulen ist es nicht. Wie die Schulleitungen dem Problem habhaft werden können, wird von Pädagogen seit Langem diskutiert.

Hierbei fallen immer wieder die Worte Prävention und Aufklärung der Schüler über die Folgen des Drogenkonsums. Diese Überlegungen führen sicherlich auf den richtigen Weg – in der flächendeckenden Umsetzung hapert es allerdings noch.

Hilfe leisten beispielsweise Projekte der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, wie das speziell entwickelte Erhebungsinstrument „Hamburger SCHULBUS“. Zu dem Instrument erläuterte Marlene Mortler bereits im Jahr 2014: „Die neue durch Tablet-PCs gestützte Methode ist ein weiterer Baustein zur Verankerung der Suchtprävention in Schulen. Mit den zuverlässig und einfach zu erfassenden und auswertbaren Daten erhalten Schulen und Kommunen Sicherheit bei der ortsspezifischen Planung, Steuerung und Qualitätsentwicklung suchtpräventiver Maßnahmen. […]

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Schulen dieses Angebot nutzen. Dann kann aus dem Baustein ein Meilenstein werden!“

Der Einsatz eines Drogenbeauftragten an jeder Schule, der sämtliche Präventivmaßnahmen koordiniert und als vertraulicher Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler dient, ist sicherlich auch eine Überlegung wert.

Viele Stimmen tönen seit Jahren, dass sogenannte „weiche“ Drogen, wie Cannabis und dergleichen, legalisiert werden sollten. Alkohol sei doch so viel schlimmer in seinen Auswirkungen. Schlimmer geht immer, aber dies kann doch nicht die Lösung sein.

Selbst wenn für gewisse Drogen eine Altersgrenze von 18 Jahren festgelegt werden würde, schließt das den Drogenkonsum an Schulen nicht aus. Dann sitzen Schüler der Oberstufe benebelt an deren Schulbänken oder handeln über „erwachsene“ Mittelsmänner mit den „erlaubten“ Substanzen.

Natürlich fördert der Reiz des Verbotenen das Tun – aber einen einfachen Lösungsweg gibt es bei diesem komplexen Problem eben nicht.

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