Bildungsprojekt gemeinsame Schule: Geplante Inklusion geht rückwärts und offenbart Defizite

Der Grundgedanke des Bildungsprojektes für Inklusionsunterricht ist in der Theorie sicherlich ein Guter. So soll durch Inklusion auch lernschwächeren oder behinderten Kindern der Zugang zu hochwertigem Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen ermöglicht werden. Analysen belegen nun ernüchternde Ergebnisse aus der Praxis und machen deutlich: Bei der Umsetzung des ambitionierten Projektes hapert es an allen Ecken und Enden. Kritische Stimmen fordern lauter den je ein praxisnahes Handeln der Politik.

 

Wissensstände sinken auf beiden Seiten

 

Bereits die Startprojekte der Inklusion im Schuljahr 2012/2013 zeigten unerfreuliche Ergebnisse. An 84 Grundschulen wurde das gemeinsame Unterrichten von beeinträchtigten und „normalen“ Kindern gestartet und wissenschaftlich begleitet.
In der analysierten Bilanz zeigten die Schüler ohne Beeinträchtigung ein etwas schlechteres Wissensniveau, als das der anderen Klassen der gleichen Jahrgangsstufe. Noch erschreckender fiel die Beurteilung der behinderten Kinder aus Inklusionsklassen aus – denn sie schnitten wesentlich schlechter ab, als zuvor auf den Förderschulen.
Die Schere zwischen den beeinträchtigten und normalen Schulkindern schien schon damals immer weiter auseinanderzuklaffen und wurde zudem durch Gefühle der Ausgrenzung der Behinderten belastet.
Auch eine aktuelle Studie aus Brandenburg konnte diese Erkenntnisse leider nicht widerlegen. Darin heißt es sogar sehr deutlich, dass der Inklusionsunterricht zu Defiziten in der Wissensvermittlung führt.
Nun reagieren nicht nur die Lehrerverbände mit erneuter Kritik an der Umsetzung der Inklusion.

 

Eltern nehmen Kinder wieder aus dem Regelunterricht

Laut vermehrten Berichten schreiten immer mehr Eltern lernschwächerer Kinder zur Tat und gehen mit deren Sprösslingen den Weg zurück – von der Regelschule zur Förderschule.

Die schlechteren Lernleistungen und die gefühlte Ausgrenzung sind allem Anschein nach der Grund für diesen Rückwärtstrend.
Zumal sich die Situation an den Schulen, seit dem hohen Zulauf von Migrationskindern infolge der Flüchtlingskrise, noch verschärft. Infolgedessen macht sich der Lehrermangel wieder einmal negativ bemerkbar und wirkt sich insbesondere auf die Schwächsten in der Kette aus: die Schulkinder, egal woher sie stammen – ob sie beeinträchtigt sind oder nicht.
Denn eigentlich sieht der Inklusionsplan zwei Lehrer pro Klasse vor, um beiden Schülergruppen emotional und zielgerichtet gerecht zu werden.

 

Lehrkräfte werden mit Theorien alleine gelassen

Neben den Untersuchungen über die Schüler der Inklusion wurden Lehrer zu ihrer beruflichen Zufriedenheit befragt. Die Forsa-Studie wurde im Februar vom VBE (Verband Bildung und Erziehung) veröffentlicht und enthüllt klar, dass sich Lehrer mit der am Schreibtisch gemachten Inklusion überfordert fühlen. So sagten 85 Prozent der Befragten, sie empfänden es als enorm belastend, dass Politiker bei deren Entscheidungen, den realistischen schulischen Alltag nicht berücksichtigen würden.
Das brisante Thema der Inklusion war dieses Jahr auch der führende Diskussionspunkt auf dem 3. Deutschen Lehrertag, der im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfand. Dort forderte Udo Beckmann, der Vorsitzende des VBE: „Die Politik darf die Schulen weder mit leeren Versprechungen hinhalten noch mit überstürzten Forderungen belasten. Gelingende Inklusion braucht Praxisorientierung. Entscheidungen aus dem Elfenbeinturm helfen niemandem. Eine zusätzliche Herausforderung sind die Flüchtlinge, die jetzt in die Klassen kommen.“
Die Rede des Verfechters für Bildung und Erziehung wird noch deutlicher, denn er mahnt praktische Herangehensweisen an: „Schulische Inklusion muss endlich unter Qualitätsgesichtspunkten diskutiert werden. Daher gehört in jede inklusive Lerngruppe eine Doppelbesetzung aus Regelschullehrkraft und Sonderpädagoge. Zudem benötigen alle Schulen Unterstützung durch multiprofessionelle Teams. Nur so kann jedes Kind bestmöglich und individuell gefördert werden.“

 

Fehlende Voraussetzungen für gelingende Inklusion

Parallel zu den genannten Missständen bemängeln engagierte Verbände, die oftmals fehlende Ausstattung der Schulen mit geeignetem Unterrichtsmaterial für den Inklusionsunterricht. Selbst der Schulbau und die Schulsanierung bedürfen einer Verbesserung.
Eine repräsentative Befragung von Lehrern im vergangenen Mai ergab, dass 52 Prozent eine fehlende Barrierefreiheit an den Schulen angaben, obwohl dort teilweise bereits inklusiv beschult werden würde. 77 Prozent waren sogar der Meinung, dass das Fortbildungsangebot auf den Inklusionsunterricht wenig bis gar nicht vorhanden sei.
Im Resümee äußerte sich Beckmann dazu folgendermaßen: „Die Überforderung der Lehrerinnen und Lehrer wird mit zu großen Klassen, zu kleinen Räumen, mangelhafter Weiterbildung und fehlender Unterstützung geradezu provoziert.“
Bezüglich der Zukunftsfähigkeit der Inklusion richtete er diesen eindringlichen Appell an die Tagungsteilnehmer des Lehrertages, zu denen auch Iris Firmenich, Mitglied der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags, gehörte: „Es ist an der Zeit zu handeln. Beides ist möglich: Inklusion und gesunde Lehrer. Für das Gelingen sind aber Ressourcen notwendig, die von der Politik bereitgestellt werden müssen.“
Ob seine Forderungen auf der politischen Ebene Gehör finden, bleibt abzuwarten. Zumindest bekam Udo Beckmann während der Veranstaltung Unterstützung durch den Hauptreferenten und Theologen Prof. Uwe Becker. Der Gelehrte ist Autor des Buches Die Inklusionslüge und findet klare Worte: „Eine ernsthaft verfolgte inklusionsorientierte Bildungspolitik ist kein Sparpaket, sondern macht erhebliche Mehraufwendungen sowie umfangreiche schulpolitische Reformen erforderlich. Ansonsten ist die Überforderung der Lehrerschaft vorprogrammiert.“

Bildungsprojekt gemeinsame Schule: Geplante Inklusion geht rückwärts und offenbart Defizite
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