Immer mehr Lehrer befürworten Internetrecherchen im Unterricht

Die Lehrmethoden an deutschen Schulen passen sich dem digitalen Zeitalter mehr und mehr an, wie eine jüngst durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Aris zeigt. Im Auftrag des Bitkom e.V., des VBE (Verband für Bildung und Erziehung) und der LEARNTEC (Fachmesse für professionelle Bildung) wurden deutschlandweit 505 Lehrer der Sekundarstufe I zum Thema Internet in der Schule befragt. Das repräsentative Ergebnis sagt aus, dass 81 Prozent der Lehrer digitale Hilfsmittel, wie Computer, Tablets und Notebooks, in deren Unterricht einbinden. Doch die Umfrage brachte noch mehr interessante Aspekte zutage.

 

Hohe Quote der Internetaffinität bei Schülern

Bei der Befragung wurden den Lehrern Aussagen zur Internetnutzung ihrer Schüler vorgelegt, die sie mithilfe einer Antwortskala bewerten mussten. Außerdem wurde nach den bevorzugten Internetseiten der Schüler für die Unterrichtsrecherche gefragt.
Bezüglich der Internetrecherchen im Unterricht sind die meisten Schüler äußerst selbstständig und benötigen kaum Hilfe von außen, wie fast zwei Drittel (62 Prozent) der befragten Lehrkräfte angaben. Immerhin 10 Prozent meinten sogar, dass deren Schützlinge gar keine Hilfe beim Recherchieren im Internet benötigen würden.
Diese hohe Affinität ist sicherlich dem Zeitalter des modernen Standards geschuldet. Wo das Internet vor 20 Jahren im privaten Bereich noch überhaupt keine große Verbreitung fand, gehört es heute bereits im Kinderzimmer zum Alltag. Die heutige Generation der Kinder und Jugendlichen nutzt es täglich, was durch die Smartphones noch häufiger und ortsungebundener möglich ist.

 

Lexikon schlägt Marktführer bei den Kids

Die Internet-Suchmaschine Google ist zwar laut statistischen Auswertungen der Marktführer, doch die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler nutzt das Online-Lexikon Wikipedia für Recherchen. Dies gaben 84 Prozent der Lehrkräfte in der durchgeführten Umfrage an. Google liegt etwas abgeschlagen auf Platz zwei, mit 61 Prozent der Lehrerstimmen.
Völlig unbedeutend im digitalen Schulunterricht scheinen spezielle Kinderseiten zu sein. So erhält beispielsweise die Kinder-Suchmaschine Fragfinn nur 6 Prozent Zuspruch, nach Aussagen der Lehrer. Andere virtuelle Seiten zur Internetrecherche sogar nur 5 Prozent.
Eine gesunde Mischung bei der Internetnutzung ordnet Dr. Bernhard Rohleder, der Bitkom-Hauptgeschäftsführer, als sehr wichtig ein. „Entscheidend ist, dass im Unterricht vermittelt wird, verschiedene Quellen heranzuziehen. Schule muss dabei auch ein Grundverständnis der Funktionsweise von Suchalgorithmen vermitteln“, meint er dazu und fügt an: „Die fächerübergreifende Vermittlung von Medienkompetenz muss fester Bestandteil des Unterrichts sein.“

 

Pro und Contra zur Internetnutzung bei Kindern und Jugendlichen

Das Thema Internetnutzung ist stets ein strittiges, insbesondere wenn es um den enormen Zeitfaktor von surfenden Kindern und Jugendlichen geht. Viele Eltern haben Angst, dass deren Sprösslinge nur noch in der digitalen Welt unterwegs sind und die Realität um sie herum gar nicht mehr richtig wahrnehmen.
Der Einzug des Internets in den Schulen wird daher oft kritisch gesehen und beschäftigt viele Experten mit der Frage: Ist das WorldWideWeb ein Informationssegen oder birgt es zu viel Suchtpotenzial?
Sich dem modernen Zeitalter und dessen Möglichkeiten zu verschließen, beurteilen die meisten Fachleute als falsch. Gerade für die Berufsvorbereitung der Schüler sei das Internet nicht mehr wegzudenken. Dieser Denkansatz hat sicherlich viel Wahrheitsgehalt, denn kaum ein Beruf kommt heute noch völlig ohne Computer und das Netz aus. Je früher jemand also eine Affinität dazu entwickelt und sozusagen hineinwächst, desto besser gestalten sich möglicherweise seine beruflichen Chancen in der Zukunft.
Bleibt die Frage, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche das Internet nutzen sollten und vor allem für was.
Hierzu vertritt beispielsweise der verantwortliche Redakteur der FAZ für Innenpolitik, Jasper von Altenbockum, in einem Wortgefecht mit einem seiner Kollegen eine strikte Meinung: „Unsere Schulen lassen sich viel zu sehr auf den Fetisch unserer Gesellschaft ein: das Netz. Das interaktive Whiteboard verdrängt die Tafel. Und transportiert einen Irrtum ins Klassenzimmer: dass die virtuelle Realität die maßgebliche sei.“
Dem entgegnet sein Kollege, der FAZ-Chefredakteur für digitale Produkte Matthias Müller von Blumencron: „Die virtuelle Welt ist Teil unserer Realität, ob wir wollen oder nicht. […] Sie prägt die Welt, sie ist die Zukunft. Es ist die Welt unserer Kinder. Ich möchte, dass sie lernen, sich dort besser zurechtzufinden als viele ihrer Eltern. Und leider auch Lehrer.“
Diese geäußerten Meinungen sind völlig konträr und spiegeln die Brisanz des Themas wider. Höchstwahrscheinlich liegt die Wahrheit in der goldenen Mitte, was für Eltern und Lehrer stets ein Balanceakt bleiben wird.

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